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Die Aussagen in Artikel 6 GG endlich mal ernst nehmen


Ich meine aus diesem Artikel folgende Aussagen:

"Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.

Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht

....

Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft." ....

Ich denke mal, die Leute, die hier gemeinsam mit mir auf dieser Plattform aktiv sind, werden alle mißbilligen, was gerade in bezug auf die Hartz-IV-Debatte passiert ist.

Das ist ein Schlag ins Gesicht aller Hartz-IV-Empfänger, aber Kinder und auch Paare trifft es ja immer noch härter, obwohl wir Artikel 6 haben.

Ich persönlich habe 4 Kinder, auch 4 Enkel, und bin inzwischen geschieden. Solange ich meine Kinder noch zu Hause versorgt habe, war ich aber verheiratet und hatte in den letzten Jahren dann zusätzlich noch einen Pflegefall im Haus.

Den Pfegefall habe ich noch immer, meinen Ex-Mann nun nicht mehr, dafür einen Freund und über ihn viel Erfahrung mit dem Thema Bedarfsgemeinschaft und Leiharbeit.

Schon vor Hartz IV habe ich nie das Gefühl gehabt, dass dieser Staat Familien- und Kinderfreundlich oder Mütterfreundlich war oder ist.

Menschen, die zusammen wohnen oder gar heiraten und Kinder bekommen oder sich um ihre Alten kümmern, schmeißt man in diesem Land ständig Knüppel zwischen die Beine.

Früher hat meine Mutter, die ich jetzt pflege, etliche Jahre auf unsere Kinder aufgepaßt und ich habe Vollzeit gearbeitet, mein Ex-Mann ebenso. Ich entweder auf Steuerklasse 5 oder später auch mal 4 und muss sagen .. unverheiratet hätten wir mit den Kindern steuerlich bei Steuerklasse I für meinen Mann und mich die II definitiv besser da gestanden.

Ohne meine Mutter hätte ich nicht wirklich arbeiten können bei den Zeiten, wo meine Kinder Unterricht hatten, sofern ich vorher das unverschämte Glück gehabt hätte, überhaupt einen Kindergartenplatz zu kriegen .. spätestens dann hätte ich definitiv wieder aufhören müssen.

Als mein Jüngser ein Jahr alt war, ging es bei meiner Mutter mit der Demenz los und ich war eine Weile Nur-Hausfrau, weil es gar nicht anders gegangen wäre .. Teilzeitjob habe ich gesucht und definitiv nicht finden können, das mit knapp über 30 und ich bin Industriekauffrau und war zuletzt als Fremdsprachen-Sekretärin tätig, also nicht unbedingt unqualifiziert.

Ich war also eine Weile zu Hause, bis auch der Kleine dann in der Kindergarten kam, fand auch dann keinen Teilzeitjob, nichtmal als Kassiererin, da hieß es dann wieder, ich sei ja überqualifiziert.

Also fing ich kurz entschlossen an, das Abitur auf einem Fachgymnasium zu machen. Ich war gut und schaffte das mit dem NC 1,9 und konnte so damit Psychologie studieren.

Bafog habe ich keins bekommen .. aber die Uni lag in Kiel und mein Auto war schrottrein, Bücher teuer, ständig Fotokopien und schon ein langer Tag, wo ich einfach zwischendurch mal nach Hause zwischen fahren mußte, um mich um die Familie zu kümmern. Mein Mann hat das alles nicht lange mitgemacht .. zu wenig Geld, zu wenig Zeit für die Familie .. eifersüchtig war er dann auch noch, was nicht die Schuld dieses Staates ist.

Es hieß .. Bafög hätte ich als nicht verheiratete Frau bekommen.

Hätte ich mich da deshalb also scheiden lassen sollen?

Ist doch toll, dachte, ich, wie dieser Staat Frauen mit Kindern und Familien, die wirklich verheiratet sind, hilft, nicht?

Später wurde mein Mann, der Handwerker ist, krank .. Arthrose in den Knien ... lange arbeitslos, kriegte dann 30 % Behinderung durch, was uns schadete .. womit man ja nicht unbedingt rechnet, wenn man es einklagt ... seine Arbeitslosenhilfe wurde ihm um besagte 30 % gekürzt, weil ja so schlechter vermittelbar .. also ergänzende Sozialhilfe beantragen.

Wohngeld kriegten wir für die Wohnung, die wir hatten, nur zum Teil .. weil zu teuer. Mit so vielen Kindern hätte man aber gar nichts anderes mieten können.

Es ist ein Unding, dass große Familien überall weniger Anspruch haben, bei den Wohnkosten, bei der Sozialhilfe, bei den Kosten, die der Haushaltsvorstand kriegt, ist es vollkommen egal, wie viele Personen da dran hängen, sie sind immer gleich hoch.

Ist doch Blödsinn ... mehr Menschen kosten auch mehr, auch beim Strom und solchen Sachen.

Auf jeden Fall kosten z. B. 7 Personen mehr dieser Kosten als 2, was bei dem Geld, das man dem Haushaltsvorstand läßt, aber völlig wurscht ist.

Wo also bleibt da der Schutz für Familie und Kinder?

An der Uni gab es keinen Kindergarten ... die Aufpasserei unter den Studentinnen klappte nicht, ich habe damals zuweilen versucht zu helfen.

Auch sowas wäre ne Maßnahme .. zumindest bei jungen Frauen.

Späte ließ mich mein Ex das erstemal sitzen, weil er eine Freundin hatte.

Ich kriegte irgendeine blöde Weiterbildung.

Da lernte ich eine Frau mit Kind kennen, die wegen des Arbeitsamtes (noch vor ARGE) aufhören mußte zu studieren ..hatte Informatik studiert ... um wegen ihres Kindes und Sozialhilfeanspruch diesen Schwachsinn zu erlernen .. es war Schwachsinn für jeden intelligenten Menschen, weil es alles viel zu einfach und im Beruf für jemand über dem Hauptschulabschluß garantiert unbrauchbar war, was wir da gelernt haben.

Warum tut man sowas?

Das ist auch heute noch so.

Menschen mit ARGE-Ansprüchen und Familie können nicht studieren ... besagtes Mutter-Kind-Bafög würde nicht reichen, um mit einer Familie klarzukommen.

Meine jüngere Tochter hat sowas bekommen, als sie mit meinem Enkel auf einer Erzieher-Schule war .. das waren für beide zusammen ca. etwas mehr als 400 Euro, also ein Witz, wenn man hätte davon leben wollen.

Ich habe übrigens für beide, obwohl ich dann ja auf meinen Enkel aufgepaßt habe, keinen Cent Wohngeld bekommen .. weil da sagt der Staat dann, sie gehören nicht zu meiner Familie, tun nur Kinder ohne eigene Kinder .. schlau, ganz klar.

Als meine Mama dann so dement war, dass man sie nicht mehr alleine lassen konnte und sie 2000 zu uns nach Hause kam und sie leider nur wenig Rente und Grundsicherung zu kriegt, hat man sie uns mit 80 % als Haushaltsmitglied aufgrdrückt .. Begründung sie wäre ja behindert.

Für die Zeit nach Einführung der ARGE konnte ich da .. bin stur wie Oskar und habe immer wieder geklagt .. dann später erreichen, dass das Amt ihr das auf 100 % nachzahlen mußte, weil es verfassungswidrig ist .. war es sicher auch schon vorher, da da ging leider nichts mehr.

Mit fiel es deswegen so auf, weil mein jüngster Sohn ... der wohnte früher noch eine Weile bei uns, jetzt studeirt er und ist ausgezogen .. halt vor dem Studium (Wartezeit, NC lange nicht ganz) nicht zu unserer Bedarfsgemeinschaft zählte und den vollen ARGE-Satz bekommen hat, wo ich mir dann sagte, spinnen die?

Das war früher ja zu normalen Sozialhilfezeiten noch anders.

Die ARGE hat also sogar was verbessert, wenn man das wie ich von früher her kennt ... aber viel nicht.

Unsere Kindergärten haben Öffnungszeiten, die mit den Arbeitszeiten auf dem modernen Arbeitsmarkt nichts zu tun haben. Jobs zu finden, wo das paßt, ist kaum möglich.

Mit der Schule ist das nicht anders.

Später wurde es noch schlimmer. Meine Kinder haben ihre Ausbildung nicht alle auf Regelschulen gemacht, sondern Fachgymnasien, Berufsschulen und so weiter besucht.

In der Zeit, als die nachmittags Unterricht hatten, wo kein Schulbus fuhr oder wo gar kein Schulbus hin fuhr, weil sie später auf einem Fachgymnasium oder Erzieherschule, Berufsschule für kaufmännische Assistenten und so weiter waren oder meine Söhne Zivildienst gemacht haben, war ich mehr mit dem Auto unterwegs um das alles zu managen als jeder Taxifahrer.

Ich wäre unfähig gewesen, dabei noch einen Job auszuüben.

Danach ließ mich dann mein Mann mit meiner schwer pflegebedürftigen Mutter sitzen.

Unterhalt zahlte er mir ganze 3 Monate .. ich fand aber keinen Anwalt, der mir half.

Auch keine Unterstützung seitens des sozialpsychiatrischen Dienstes, im Kreis Plön gibt es nichtmal ein Wohnungsamt und ins Frauenhaus hätten wir auch nicht gekonnt, weil mein Mann uns ja nicht halb tot geschlagen, sondern einfach auf nem Dorf in einer zu großen Wohnung sitzen gelassen hatte.

Ich fand dann einen, der mir klar sagte, die "lukrative Scheidung" täte er machen. Also ließ ich mich scheiden und leben seitdem von der ARGE.

Aber das ist nicht alles.

Als ich meinen Freund kennen lernte und er zu uns zog, waren wir vom ersten Tag an eine Bedarfsgemeinschaft und klar kriegten wir so viel weniger Geld.

Ein Paar kriegt ja auch weniger, obwohl beide erwachsen sind.

Meine Mama dann bis ich den Prozeß gewann nur 8o % und wenn ich es richtig verfolgt habe, sind sie schon wieder dabei, Behinderte schlechter stellen zu wollen, jetzt sogar von der Regierung aus.

Und das alles macht dieser Staat, obwohl wir extra einen Artikel im Grundgesetz haben, der doch aussage, Familie, Kinder, Mütter und so haben den besonderen Schutz des Staates.

Wenn man Kinder hat, muss man sich drum kümmern und es können nicht beide Vollzeit arbeiten oder gar Überstunden ohne Ende machen. Kinder kosten viel Geld und die haben ein Recht darauf, nicht am Rande der Gesellschaft zu leben. Und wenn sie groß sind, warum läßt dieses Land ihre Mütter im Stich, die Karriere in der Zeit garantiert nicht haben machen können?

Und überhaupt, warum werden Gruppen, egal welche, in diesem Land, wenn sie zusammen leben und sich gegenseitig helfen, immer schlechter gestellt als einzelne Personen?

Ich verstehe das nicht.

LG Renate


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